• Donau-Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt
    Donau-Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt

Auenprojekte

Im Rahmen des Auenprogramms Bayern soll ein systematischer Überblick über Auenprojekte in Bayern geschaffen werden; ein Hilfsmittel hierzu ist die Datenbank Auenprojekte. Derzeit sind 122 Projekte in der Datenbank erfasst. Die Projekte zeigen deutliche Unterschiede hinsichtlich der Größe des Gewässers, der Größe des Projektgebiets, der Länge der erfassten Gewässerabschnitte sowie der Zielsetzungen und des Umsetzungsstandes.

Auswertung der Auenprojekte

Die zusammenfassende Auswertung von ca. 120 Projekten aus ganz Bayern zeigt folgende wesentlichen Ergebnisse:

  • Der Schwerpunkt der Projekte liegt an Gewässern zweiter Ordnung, insbesondere kleine Gewässer (dritter Ordnung) sind unterrepräsentiert.
  • Die Größe der Projektgebiete liegt in der Regel unter 20 ha, Gebiete größer als 100 ha sind unterrepräsentiert.
  • Es werden in der Regel deutliche Verbesserungen bezüglich Lebensräumen, Durchgängigkeit und Landschaftsbild erreicht.
  • Defizite verbleiben häufig beim Abflussgeschehen, der Eigenentwicklung und dem Flächenumgriff der Projekte.
  • Die Auenprojekte sind ungleichmäßig über die Gewässerlandschaften Bayerns verteilt.

Empfehlungen für künftige Auenprojekte

In den Auenprojekten muss der Aspekt des natürlichen Rückhalts stärker berücksichtigt werden. Die Reaktivierung von Auen und die Wiederherstellung des natürlichen Überschwemmungsgeschehens muss noch stärker im Mittelpunkt von Umsetzungsprojekten stehen.

Die Umsetzung von Projekten in größeren räumlichen Einheiten und an längeren Fließgewässerstrecken sollte besonders voran­ge­trie­ben werden, um die wichtigen Ziele (Eigenentwicklung, natürlicher Rückhalt, auenangepasste Nutzung, Vernetzung Fluss-Aue) in größeren und zusammenhängenden Auenabschnitten zu erreichen.

Zur Umsetzung weiterer Auenprojekte ist der kontinuierliche Einsatz von Staat, Kommunen und Stakeholdern erforderlich, um Kompetenzen und Aktivitäten zu bündeln und den Gewässern mehr Raum zu geben. Im Rahmen der europäischen Wasser­rahmen­richtlinie (WRRL) ist eine einzugsgebietsbezogene Betrachtung notwendig.

An kleinen Gewässern (Gewässer III. Ordnung) sind verstärkte Aktivitäten nötig; ihre Bedeutung als Lebensräume und für den natürlichen Rückhalt muss stärker betont werden. Wichtig sind Gewässernachbarschaften sowie die Handlungsmöglichkeiten im Rahmen der ländlichen Neuordnung oder des Ökokontos für Kommunen.

Die Checkliste „Auenprojekte“ wendet sich an Projektinitiatoren, die im Bereich der Auen Projekte zur Verbesserung bzw. Aktivierung von Landschaftsfunktionen (Schaffung von naturnahen Lebensräumen in der Aue und ihrer Gewässer, Steigerung des natürlichen Hochwasserrückhalts) durchführen möchten.

Die Checkliste „Auenprojekte“ listet Fragen auf, deren Beantwortung zu einer systematischen Projektdefinition beitragen und die Projektinitiatoren unterstützen soll ihre Projektvorstellungen zu konkretisieren, bestehende Informationen zu sammeln und Informationsdefizite aufzuzeigen. Es handelt sich nicht um eine abschließende Liste.

  1. Was ist die Veranlassung des Projektes?
  2. Welches sind die Ziele des Projektes (z.B. Hochwasserschutz, Hochwasservorsorge, Lebensraumschutz, Artenschutz, Gewässerschutz)?
  3. Wie wird das Projektgebiet räumlich abgegrenzt (z.B. Gewässername, Flusskilometer (von – bis))?
  4. Sind Einflussfaktoren auf die Projektziele identifiziert, deren Verursachungen sich außer­halb des Projektgebietes befinden und welche sich positiv oder negativ auf die Zielerrei­chung auswirken (z.B. diffuse und punktuelle Stoffeinträge in Gewässer, invasive Arten, hydrologische Veränderungen im Einzugsgebiet)? Gibt es Überlegungen wie diese Ein­flussfaktoren im Sinne der Projektziele beeinflusst werden können?
  5. Gibt es Auswirkungen, der im Projektgebiet ergriffenen Maßnahmen, die sich auf Gebiete außerhalb beziehen und dort positive oder negative Folgen zeigen (z.B. Hochwassermin­derung unterhalb, verstärkter Eintrag von Ufersediment in das Gewässer durch verstärkte Lateralerosion Wegnahme von Uferverbau), Verstärkung der Hochwassergefährdung durch Übergangsphasen der Sekundärauenentwicklung)
  6. Existieren innerhalb des Projektgebietes Zielkonflikte (z.B. Wiederherstellung naturnaher Bereiche – Erhalt kultureller Errungenschaften und Bewirtschaftungsweisen, Artenschutz: Bi­ber – Bachmuschel, Trinkwassergewinnung)
  7. Wer sind die Projektbeteiligten (z.B. Behörden, Verbände, Interessengruppen, Eigentü­mer) und wurde bereits eine erste Beteiligung, Information durchgeführt, evtl. ein „runder Tisch“ eingerichtet mit Festlegung der Federführung?
  8. Mit welchen Maßnahmen sollen die Projektziele erreicht werden (z.B. Flächenankauf, Extensivierung, Nutzungszonierung, Auszäunung, Wiederherstellung der Durchgängig­keit, Initialpflanzungen, Aufforstung, Sukzession, Initiierung von Eigendynamik, Beseiti­gung anthropogener Strukturen, Biotopgestaltung, Aushagerungen, Pflegemaßnahmen, bauliche Maßnahmen, Gewässeraufweitungen, Sohlanhebungen, Umgehungsgerinne, Au­enabgrabung, verträgliche Nutzungskonzepte („Energiewald“), fischereiwirtschaftliche Nutzung, Freizeitnutzungen)
  9. Welcher Projektzeitraum ist angedacht (Dauer der Umsetzungen)?
  10. Welcher Finanzrahmen ist angedacht, wie hoch sind die Eigenmittel, gibt es bereits Erwä­gungen welche Fördermittel beantragt werden können?
  11. Existieren vorbereitende Planungen, Konzepte, Untersuchungen (z.B. Flurbereinigungs­verfahren, Natura2000 Managementplanung, Maßnahmenprogramm WRRL, Be­rücksichtigung der Belange der HWRM-RL, Gewässerentwicklungsplanungen)?
  12. In welchem Umfang sind Kommunikations- und Umweltbildungsmaßnahmen vorgesehen, um die Ziele des Projektes in die Öffentlichkeit zu transportieren (z.B. Internetauftritt, Kommunikation der Maßnahmen, Informationsbroschüren, Fachtagungen, Presse- und Rundfunkbeiträge, Einbindung von Bildungseinrichtungen (z.B. Schulen, Hochschulen), Einbindung der politisch Verantwortlichen? Sind diese flankierenden Maßnahmen auch über die Umsetzungsphase hinaus geplant? In welcher Form wird dies sichergestellt (z.B. Einbindung in Umweltbildungseinrichtungen, Aufbau von Beobachtungsstationen, statio­näre Informationen, Patenschaften)? Wie werden die Informationen aktuell gehalten?
  13. Stehen die personellen Ressourcen der Projektbeteiligten fest und kann über die Projekt­dauer eine Konstanz gesichert werden (z.B. Personalausstattung, Personalkompetenzen)?
  14. Wie können die Erkenntnisse aus dem Projekt in allgemeine Zieldefinitionen münden, die zu einer Verbesserung der gesetzlichen Regelungen und Verordnungen führen (z.B. ver­bindliche Definitionen für Gewässerrandstreifen, Auenkorridore, Festsetzung der Über­schwemmungsgebiete und deren Regulierung)
  15. An welchen Indikatoren wird das Erreichen der Projektziele gemessen (z.B. Hochwasser­scheitelminderung, Abflussverzögerung, Vernetzungslänge, Vorkommen von Leitarten oder Zielarten, hydromorphologische Parameter, Wasserqualität, Umfang der erreichten Öffentlichkeit, Anzahl und Beteiligung an Öffentlichkeitsmaßnahmen, Bildungsmaßnah­men)? Ist eine Erfolgskontrolle vorgesehen?

Kontakt und Ansprechpartner im Auenforum

Auenzentrum
Neuburg-Ingolstadt

Schloss Grünau
86633 Neuburg an der Donau
Telefon:  08431 647590
info@auenzentrum-neuburg.de

Ansprechpartner

Dr. Thomas Henschel
thomas.henschel@lfu.bayern.de
Telefon: 0821 / 9071-5366